Programm


Vorläufiges Tagungsprogramm

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SAMSTAG
10:00 Ankommen
10:30 Auftakt: Gewerkschaftsarbeit in die eigenen Hände nehmen
Mit Inputs von betrieblich Aktiven und Ausblick auf die Konferenz und die Workshops
 
11:45-13:45 Workshop-Phase I (geplant sechs Workshops)
Mittagessen
14:45-16:45 Workshop-Phase II (geplant sechs Workshops)
Pause
 
18:00-19:30 Plenum: Schwung in die ArbeiterInnenbewegung bringen - aber wie?
Sozialpartnerschaft adieu – da sind sich viele einig. In unseren Gewerkschaften und Betrieben kommen wir weiter, wenn wir uns im Konflikt durchsetzen statt einfach nur am Verhandlungstisch zu sitzen. Aber wie stärken wir innerhalb der ArbeiterInnenbewegung KollegInnen, gerade wenn unsere eigenen Gewerkschaften zu oft dem Dogma der Sozialpartnerschaft und des CO-Management folgen?
 
20:00 Abschluss und Kulturprogramm
Filmvorführung: Luft zum Atmen
 
SONNTAG
 
10:00-12:00 Branchentreffen (Post/Logistik, Gesundheit, Bildung, IG BCE, Hauptamtliche)
Pause
12:30-14:00 Abschlusspodium: Gesellschaftliche Fragen im Betrieb aufgreifen
Die Interessen der Arbeiterinnenbewegung hören nicht am Werkstor auf. Wie verbinden wir Kämpfe um Klima, Mieten, Gleichberechtigung mit unseren Kämpfen im Betrieb, um gesellschaftliche Kräfteverhältnisse zu verändern?

 
 
Workshops (werden fortlaufend ergänzt)
Organisierung prekärer Bildungsbeschäftigter               
In unserem Workshop wollen wir von den verschiedenen Arbeitskämpfen gegen Prekarität im Bildungssektor lernen. Wir fragen bei der Initiative UniKassel Unbefristet nach ihren Schlussfolgerungen bezüglich der Organisierung von wissenschaftlich und administrativ-technischen Kolleg*innen in der Hochschule. Wir diskutieren mit den Sozialassistent*innen Strategien für einen Tarifvertrag und mit befristet angestellten Lehrer*innen ihre Erfahrungen zur Entfristung ihrer Stellen.
Aktive von Uni Kasssel Unbefristet
 
Ryanair – Internationale Arbeitskämpfe
Noch Ende 2017 galt die Ryanair als gewerkschaftsfeindlichstes Unternehmen der Branche in Europa schlechthin. Keine anderthalb Jahre später unterzeichnet die irische Billigfluggesellschaft mit ver.di einen Tarifvertrag für die rund 1200 in Deutschland stationierten Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter – den ersten in der Geschichte des Unternehmers. Diese erstaunliche Wandlung ist in erster Linie Ergebnis der erfolgreichen Kampagne #cabincrewuntited der europäischen Gewerkschaften des Kabinenpersonals und ihrer Dachorganisation ITF (Internationale Transportarbeiter-Föderation). Auch in Deutschland legte das Kabinenpersonal die Arbeit nieder. Binnen eines Jahres war es ver.di und den Aktiven mit Hilfe einer Organizing-Kampagne gelungen, in einer komplett unorganisierten Belegschaft eine Gegenmacht aufzubauen, die es erlaubte zu streiken. Dieser Erfolg wiegt umso stärker, bedenkt man, dass das die FlugbegleiterInnen vor allem aus den krisengebeutelten Regionen Süd- und Osteuropas stammen, überwiegend weiblich, prekär beschäftigt sind und einem der größten Union-Buster unserer Zeit gegenüberstehen. Wir wollen mit Aktiven der #cabincrewuntited über den Weg zu diesem Erfolg sprechen. Wie gelang es, die KolleInnen zu überzeugen, aktiv zu werden? Wie gingen sie mit dem Störfeuer von Ryanair um? Welche Rolle spielte ver.di?
Aktive von Ryanair, Input findet in Englisch mit Übersetzung statt
 
Mit offensiver BR-Arbeit Ausgliederungen unterwandern: Das Beispiel Post
Als die Post 2015 ankündigte die Delivery Gesellschaften auszugründen, erhoffte sie sich davon noch mehr Angst unter den Beschäftigten, billigere Löhne und Flexibilität bis zum Umfallen. Doch damit kam sie nicht durch. In den ausgelagerten Delivery Gesellschaften gründeten sich Betriebsräte, die einiges durchsetzten bis hin zu beispielhaften Arbeitszeitbetriebsvereinbarungen. Aus der Schwäche wurde eine Stärke gemacht, indem vor Ort Stärke aufgebaut wurde. 2019 entschloss die Post daher die Wiedereingliederung. Im Workshop erzählen Mike Akinlaton, einer der ersten Betriebsräte bei einer Delivery GmbH, und Andreas Job, Betriebsrat bei der Post.
 
Durchsetzungsfähig in Betrieb und in der Gewerkschaft: Kämpfe im Krankenhaus
Der Pflegebewegung ist es gelungen, das Thema Pflegenotstand auf die politische Tagesordnung zu setzen. Zahlreiche Bündnisse gibt es an verschiedenen Orten. Doch den Anfang bildete der Aufbau von betrieblicher Macht, ausgehend von der Charité wurde das Modell der Tarifberater in weiteren Krankenhäusern deutschlandweit weiter entwickelt. Die Erfahrungen mit ver.di sind dabei ganz unterschiedlich. Was sind die zentralen Lehren? Wie ist der Stand? Und wie gelang es in Betrieb und Gewerkschaft durchsetzungsfähig zu werden?
Mit Thomas Zmrzly vom Krankenhaus Essen, Benjamin Gampel vom Krankenhaus Augsburg und Aktiven aus der Pflege in Hamburg und Freiburg

Deliveroo, Foodora und Co.
Das Geschäft der Essenslieferdienste boomt seit Jahren. Doch für die Möglichkeit der KundInnen nach Feierabend vom Sofa aus das Essen aus den Liebslingsrestaurants zu bestellen, zahlen die Kuriere einen hohen Preis. Wer bei Deliveroo, Foodora (seit April Lieferando) und Co arbeitet, hat weder feste Arbeitszeiten noch ein kalkulierbares Einkommen. Die Bezahlung ist an die Aufträge gekoppelt, die zudem kurzfristig und über eine App vergeben werden. Diese misst auch die Leistung. Das Smartphone ersetzt die Stechuhr. Trotzdem haben sich „Rider“ von Buenos Aires bis Berlin begonnen sich zu organisieren, um mit gemeinsamen Aktionen und Streiks ihre Rechte durchzusetzen. In Köln und anderen Städten wurden bereits Betriebsräte gewählt. Im Februar fand in Hamburg der zweite "Riders Day Germany". Gemeinsam mit AktivistInnen des Zusammenschlusses „Liefern am Limit“ wollen wir uns über die bisherigen Erfolge und Widerstandsperspektiven der neuen Dienstboten“ austauschen.
Betriebsrat von Deliveroo
 
Die Arbeit in Tarifkommissionen – Orte der Macht oder öde Rituale?
Unserer Erfahrung nach kann die Arbeit einer Tarifkommission vieles sein. Manchmal schaffen wir es im Betrieb zu mobilisieren, manchmal werden wir an der Nase rumgeführt, manchmal ein absehbares Ergebnis erzielt, selten neue Wege gegangen. Wir wollen verschiedenste Erfahrungen in diesem Workshop zusammenbringen und euch damit helfen zu verstehen, was alles möglich ist und auf welche Manöver wir besser nicht reinfallen sollten.
Aktive aus Tarifkommissionen von IGM, IG BCE, ver.di
 
Strategien gegen Union Busting
Wer sich im Betrieb gewerkschaftlich organisiert oder im Betriebsrat kämpferische Positionen vertritt, gerät nicht selten ins Visier der Chefs. Die Maßnahmen reichen von willkürlichen Versetzungen, übler Nachrede und Mobbing bis hin zu Abmahnungswellen und fristlosen Kündigungen. Auch werden ganze BR-Gremien in ihrer alltäglichen Arbeit behindert, indem Informationen verweigert, Schulungen nicht genehmigt und die Rechte des Betriebsrats allgemein missachtet werden. Auf diese Weise sollen Kolleg*innen eingeschüchtert werden, die sich für ihre Rechte stark machen und allein dadurch für die Chefs zum Problem werden. Im Workshop wollen wir uns über Erfahrungen austauschen, die wir im betrieblichen Alltag mit der Behinderung unserer Arbeit gemacht haben. Schwerpunktmäßig wollen wir diskutieren, welche Strategien wir entwickeln können, um uns effektiv gegen Union Busting zu wehren. Welche Bedeutung haben dabei rechtliche Maßnahmen, wann sollten wir die Öffentlichkeit einschalten und wie schaffen wir es eigentlich bei dem ganzen Stress, alle Kolleg*innen mitzunehmen und uns nicht spalten zu lassen?
 
 
Umgang mit AfD und Co im Betrieb
Gesellschaftliche Entwicklungen machen vor dem Werkstor nicht halt, Die Rechte versucht sich auch im Betrieb zu verankern und greift damit den gewerkscahftlichen Grundgedanken der Solidarität und des Zusammenhalts gegen die Geschäftsleitung an. Wie gehen wir damit um? Was, wenn rechte Betriebsratslisten antreten? Was, wenn unsere Gewerkschaft unter Beschuss gerät oder sich rechte Strukturen etablieren?
Mit Aktiven der IG Metall, Daimler Untertürkheim
 
 
 
Organizing Module
Den spannenden Erfahrungen von anderen zuzuhören, ist das eine. Auf der Tagung wollen wir aber auch Neues für die eigenen Konflikte lernen und direkt ausprobieren: Daher wird es einen Organizing Workshop nach dem Handbuch „Geheimnisse eines/r erfolgreichen Organizer*in“ von einer OKG Teamerin geben. Zudem könnt ihr einen Organizingworkshop von der „Bewegungsschule“ mit Alice Hamdi und Birgitta Wodke besuchen.
 
1)Die Apathie von Kollegen überwinden
Du hast öfter das Gefühl, dass deine Kolleginnen nicht daran interessiert sind, etwas an eurem Arbeitsplatz zu verändern? In diesem Workshop lernen wir, (1) wie wir Kollegen helfen, die Apathie zu überwinden und (2) welche Strategien es gibt, um herauszufinden, was deine Kollegen davon abhält aktiv zu werden.
Mit: Teamerin OKG
2) Handlungsfähigkeit unter Aktiven fördern - Methoden für den Alltag
Wie bauen wir Gruppen auf, die sich selbst entwickeln und stetig über sich hinauswachsen? Wir bringen ein paar Ideen mit und geben ein Kurz-Training für "Direktes Lernen" - als Handlungshilfe für den Alltag von Organizer*innen und Aktiven.
Mit: Bewegungsschule - Alice Hamdi und Birgitta Wodke
 
Zusammenarbeit zwischen Hauptamtlichen und betrieblich Aktiven ermächtigend gestalten: Wege und Probleme
Wie können hauptamtliche GewerkschaftssekretärInnen ihre Alltagsarbeit so gestalten, dass sie betrieblich Aktive ermächtigen und dabei unterstützen zu Motoren der Gewerkschaftsarbeit zu werden? In diesem Workshop für Hauptamtliche soll aus Erfolgsbeispielen und ‚Niederlagen‘ gelernt werden.
 
 
 
Handwerkszeug für die Planung betrieblicher Kampagnen: Das „Worker Association Canvas Modell“
Am Anfang einer betrieblichen Kampagne steht das Bedürfnis etwas verändern zu wollen. Schwieriger ist es jedoch herauszufinden wie man effektiv Gegenmacht aufbauen kann und sich im Planungsprozess nicht verliert. Im Umfeld der weltweiten Basisgewerkschaft Industrial Workers of the World (IWW) haben Kolleg*innen an einem Planungstool gearbeitet um sich einen einfachen Überblick zu verschaffen. Anhand von Kampagnen in der sozialen Arbeit in Bremen und der Systemgastronomie in den USA stellt ein Organizer der IWW die eigene Arbeit dar. Bei Bedarf können wir auch gemeinsam einen solchen Bogen für euren Betrieb/Kampagne ausfüllen. Der englische Erklärungsartikel ist hier online: https://medium.com/@dgorganize/introducing-the-worker-association-canvas-ed42ba323d7f#.ulz5ehpez . Im Workshop arbeiten wir mit der deutschen Übersetzung und kleinen Überarbeitungen.
Teamer: Joschi ist Organizer in der IWW, Sozialarbeiter und wohnt in Bremen. Er war längere Zeit Koordination der Organizing Abteilung der IWW im deutschsprachigen Raum und versucht in seinem eigenen Betrieb Schritte mit Kolleg*innen zu planen.
 
Filmvorführung mit den MacherInnen:
Luft zum Atmen
1972 gründeten ein paar Arbeiter und Revolutionäre bei Opel in Bochum die „Gruppe oppositioneller Gewerkschafter“(GoG). Die GoG existierte über 40 Jahre und hat mit ihrer radikalen Betriebsarbeit den Widerstandsgeist in der Bochumer Belegschaft befeuert.
Als Betriebsräte gaben sie geheime Informationen an die Belegschaft weiter, sie sorgten für achtstündige Betriebsversammlungen, kämpften gegen Krankenverfolgung, organisierten ihren eigenen Bildungsurlaub und versuchten sogar, auf eigenen Faust direkte internationale Solidarität zwischen den verschiedenen General Motors Belegschaften in Europa herzustellen, um sich gegen die Standorterpressungen in den 90er Jahren zur Wehr zu setzen.
Ihre radikalen Aktivitäten kulminierten schließlich im wichtigsten Wilden Streik der deutschen Nachkriegsgeschichte, als die Belegschaft im Oktober 2004 sechs Tage lang das Werk besetzte und die Produktion in ganz Europa lahmlegte.
Ein Portrait von Kollegen, die sich Gehör verschafften. Ihre Praxis einer unbeirrten Betriebspolitik von unten zeigt, dass Widerstand möglich ist. Auch heute. Auch in Großbetrieben.D 2019, 70 min, Regie: Johanna Schellhagen/labournet.tv